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Gute Ratgeber schreiben - Teil 1

 Wie schreibt man einen guten Ratgeber? Du bist Expert*in für ein Thema, und möchtest anderen weiterhelfen?, einen  Ratgeber schreiben? Du hast daran gedacht, aus deinem Wissen und deiner Erfahrung ein Buch zu machen? Eine gute Idee! Aber vielleicht weißt du nicht, wie du anfangen sollst? Oder du hast es probiert und es gestaltet sich schwieriger als gedacht?

 

Nicht nur dir geht es so. Was im Alltag so einfach von der Hand geht, lässt sich für viele nicht so leicht ins geschriebene Wort umsetzen. Vor allem, wenn sie wenig Erfahrung mit dem Schreiben haben. Aber es gibt eine Reihe von Tipps, die dir deinen Weg zur Autorenschaft erleichtern.

 

Ich habe nicht nur zwei eigene Ratgeber geschrieben, sondern auch sehr viele lektoriert und weiß, wie die Tücken gerade bei Erstlingsautor*innen liegen und was besonders das Genre Ratgeber herausfordernd macht. Auf Instagram habe ich deshalb zum neuen Jahr meinen „Ratgeber-Ratgeber“ gestartet. Hier auf dem Blog werde ich die Reihe etwas ausführlicher und thematisch zusammengefasst ebenfalls veröffentlichen.

 

Und starte mit der Frage:

 

Was ist ein Ratgeber eigentlich (nicht)? 

Ein Ratgeber ist kein Sachbuch

Hast du dich auch schon gefragt: Was unterscheidet eigentlich einen Ratgeber von einem Sachbuch und wie stelle ich sicher, dass ich beim Schreiben meines Ratgebers nicht ins falsche Genre rutsche?

Denn was niemand will, ist ein Buch, dass sich zwischen den beiden Genres nicht entscheiden kann und deshalb entweder gar keine Leser*innen findet oder diese enttäuscht zurücklässt. Natürlich gibt es – wie überall – Mischformen und Grenzüberschreitungen, die durchaus auch erfolgreich sein können. Wenn du aber auf der sicheren Seite sein willst und vor allem einen Anhaltspunkt brauchst, wie du deinen Ratgeber aufstellen solltest, dann habe ich drei Tipps für dich: 

Hilfe statt Wissensvermittlung

Im Ratgeber sollst du in erster Linie nicht Informationen vermitteln, sondern deinen Leser*innen bei einem konkreten Problem weiterhelfen. Natürlich brauchst du dazu auch umfangreiches (Fach-)Wissen. Aber wichtig sind Lösungsvorschläge, nicht bloße Fakten. Wie können sie das Wissen umsetzen, das du mitbringst? Wie helfen Informationen dabei, das eigene Leben zu ändern oder zu verbessern – das sind die Fragen, die du dir stellen solltest. 

Du bist Exper*tin

Vertraue auf dein Wissen und deine Erfahrung. Natürlich baust du auf eine breite Basis, hast dich belesen und kennst dich in deinem Thema sehr gut aus. Zitiere dafür aber nicht ständig andere Quellen! Du bist der Experte oder die Expertin, deine Leser*innen vertrauen auf dich.

 Das zeigt sich bei einem Ratgeber auch in der Struktur und im Aufbau: Unzählige Fußnoten, Zitate und Verweise sind nicht nötig, sondern sogar kontraproduktiv. Denn Leser*innen eines Ratgebers suchen schnelle Hilfe für ihr Problem und wollen sich aufs Wesentliche konzentrieren können. 

Konkreter Nutzen

Überlege dir bei allem, was du schreibst: Nutzt das meinen Leser*innen? Hilft es ihnen weiter? Oftmals gibt es viele Fakten und Details zu dem Problem, mit dem du dich in deinem Ratgeber befasst. Verzettle dich aber nicht. Schau immer darauf, wie eine Information deinen Leser*innen nutzen kann.

Ein Ratgeber ist auch kein Erfahrungsbericht

Auch hier musst du aufpassen, nicht ins falsche Genre abzudriften. Erfahrungsberichte sind sehr wertvoll für Betroffene, um sich nicht allein zu fühlen mit ihren Sorgen und Problemen. Zu wissen, dass es anderen ähnlich oder genau so geht, wie einem selbst, kann oft sehr heilsam sein und Gefühle der Verlorenheit oder Einsamkeit mildern. Wenn du aber einen Ratgeber schreiben willst, musst du einen Schritt weiter gehen, und gleichzeitig etwas zurücktreten:

Wahre eine gewissen Distanz

Auch wenn du über dein Herzensthema schreibst, gilt: Werde nicht zu emotional und persönlich! Deine Leser*innen vertrauen dir, weil du Erfahrung bezüglich ihres Problems hast. Entweder als selbst Betroffene*r oder von professioneller Seite, weil du vielen Menschen mit genau diesem Problem weitergeholfen hast. Aber sie sind nicht primär an deiner Geschichte interessiert.

Fokussiere die Lösung

Sondern an deinen Learnings daraus. Deine Leser*innen  möchten wissen, wie du aus einer ähnlichen Problemlage wie der ihren herausgekommen bist oder anderen herausgeholfen hast. Zeige, was du aus deiner  Geschichte oder in deinem Berufsalltag gelernt hast! Der Fokus liegt auf der Lösung, nicht auf dem Problem.

Denke andere mit

Du schreibst aus deiner Erfahrung heraus, entweder als Betroffene*r oder als Helfer*in. Aber: Auch wenn sich die Probleme ähneln, ist jede Situation doch individuell. Denke andere Lebensrealitäten, andere Voraussetzungen und andere Charaktere mit! Gerade wenn du selbst die gleichen Erfahrungen gemacht hast wie deine potenziellen Leser*innen, ist das vielleicht der schwierigste Part und erfordert Empathie, Um-die-Ecke-Denken und große Offenheit. 

Du bist Expert*in

Du schreibst einen Ratgeber, weil du anderen bei einem speziellen Problem weiterhelfen kannst. Zeige das und vertraue auf dich! 

Zeige deine Expertise

Denk immer wieder daran: Du kennst dich aus, du hast Lösungen, die auch anderen weiterhelfen können. Sonst wärst du ja nicht auf die Idee gekommen, einen Ratgeber zu deinem Thema zu schreiben. Dann tu das. Schreibe darüber! Deine guten Ratschläge weisen dich als Expert*in aus.

Zitiere dich

In Sach- und Fachbüchern werden immer wieder andere Fachleute zitiert. In deinem Ratgeber sollte das nicht überhandnehmen. Zitiere doch mal dich selbst! Vielleicht twitterst du zu deinem Thema oder hast eigene Erfahrungen gemacht, die aufschlussreich sind. Her damit! Auch hier gilt: Übertreibe es nicht. Aber wenn du eine Erkenntnis gewonnen hast, die anderen hilft, dann darfst du sie auch teilen. 

Vertraue dir

In fast jedem Schreibprozess kommen Zweifel auf. Manchmal auch daran, ob man wirklich die oder der Richtige ist, um gerade dieses Buch zu schreiben. Kann ich das wirklich? Ist das nicht anmaßend? Wissen das nicht sowieso alle? Nein!

 

Vertraue dir selbst! Du kannst das. Für deine eigenen Tipps und Ratschläge brauchst du handfestes Wissen und Erfahrung. Beides bringst du mit. Du musst nicht alles doppelt- und dreifach beweisen.


Du weißt jetzt, wie du sicherstellst, dass du auch wirklich einen Ratgeber schreibst, und dass du das Zeug dazu hast. 

 

 

Im nächsten Teil der Serie geht es darum, wie du dafür sorgst, dass dein Ratgeber zwischen den anderen hervorsticht, seine Leser*innen findet und für deine Zielgruppe 

 

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