· 

Die 5 Schreibtypen

Mein Deutschlehrer im Leistungskurs ist manchmal an mir verzweifelt. 

 

Immer, wenn er der Klasse erklären wollte, wie wichtig es ist, am Beginn eine Aufsatzes eine Gliederung zu erstellen, habe ich gesagt: "Braucht man nicht, die kann man doch hinterher machen!"  Ja, ich war ziemlich vorlaut in der Schule. Und ja, ich hatte kein Gefühl dafür, dass das nicht für jeden Schreibtyp so funktioniert. Denn ich wusste gar nicht, dass es etwas wie Schreibtypen überhaupt gibt. Sie zu kennen, kann dir helfen, dein eigenes Schreiben besser zu verstehen und Strategien anderer Schreibtypen zu nutzen, um Schreibblockaden zu lösen.

Welcher Schreibtyp bin ich?

Ich muss ehrlich sein: Vor meiner Ausbildung zur Schreibberaterin habe ich mir diese Frage nie gestellt. Es hat ja irgendwie funktioniert mit dem Schreiben. Oft sogar sehr gut. Aber natürlich habe ich auch Momente, in denen ich vor einem leeren Blatt oder Dokument sitze und nicht mehr weiter weiß. Oder vor einem vollen.

 

Dann hilft es, zu verstehen, welche Schreibstrategien man anwendet. Sie passen meist zum eigenen Schreibtyp, haben viele Vorteile - aber eben auch Nachteile. Und manchmal hängt es dann einfach, weil man in eingefahren Bahnen denkt und schreibt. 

 

Man unterscheidet ganz grob zwischen strukturschaffenden Typen, die einfach drauflos schreiben, und strukturfolgenden Schreiber*innen, die vor dem Schreiben einen Plan machen, an den sie sich ziemlich genau halten.

 

Aber wie so oft im Leben gibt es nicht nur schwarz und weiß sondern ganz viel dazwischen. Und wir gehen unterschiedliche Textsorten auch mit unterschiedlichen Strategien an. Bei längeren Texten sind wir vielleicht eher Planer*innen. während wir einen kurzen Social Media Post einfach aus dem Handgelenk schütteln.  

5 Schreibtypen

Für mich hat sich eine Einteilung in 5 Schreibtypen bewährt, die etwas detaillierter ist und bei der es einem vermutlich leichter fällt, sich selbst zu verorten.

Drauflosschreiber*in

 

Drauflosschreiber*innen sind der Inbegriff des Strukturschaffenden Typs. Sie schreiben assoziativ und ohne Plan einen fortlaufenden Text. Dabei achten sie im ersten Schritt nicht auf Formulierungen und strukturieren ihren Text erst beim Schreiben.

 

Ihr Vorteil: Sie produzieren schnell viel Text. Ihr Nachteil: Sie müssen oft sehr viel überarbeiten.

 

Remixer*in

Remixer*innen schreiben um durch Neuschreiben. Das heißt, sie produzieren einen Text in immer neuen Versionen. Die ursprüngliche Idee bleibt, aber neue Erkenntnisse fließen in folgende Versionen ein. Zum Schluss suchen die Remixer*innen eine Version als finale aus oder kombinieren sie aus verschiedenen Versionen. Man nennt diesen Typ auch "Mehrversionenschreiber*in".

 

Ihr Vorteil: Sie erschreiben sich neue Erkenntnisse und legen schnell los. Ihr Nachteil: Sie verlieren leicht den Überblick. 

 

Puzzler*in

Puzzler*innen arbeiten immer an der Stelle im Text, die ihnen gerade am leichtesten von der Hand geht. Frei nach dem Lustprinzip. Der Text entsteht so aus vielen Puzzleteilen. Dabei nutzen sie oft verschiedene Strategien der anderen Typen.

 

Ihr Vorteil: Sie produzieren schnell Text und haben Spaß am Schreiben. Ihr Nachteil: Am Ende ist oft viel Überarbeitung nötig und die Struktur kann darunter leiden.

Redakteur*in

Redakteur*innen sind oft perfektionistisch. Sie arbeiten eine Version so oft um, bis sie zufrieden sind. Das heißt, sie springen auch immer wieder im Text zurück, formulieren neu, bessern aus usw. Am Ende steht ein Text, der nicht mehr stark überarbeitet werden muss.

 

Ihr Vorteil: Sie haben weniger Überarbeitungsaufwand. Ihr Nachteil: Sie kommen oft nicht richtig in den Schreibfluss.

 

Planer*in

Planer*innen sind typische Strukturfolger*innen. Sie arbeiten lange an Plänen und Gliederungen, bevor sie sich tatsächlich ans Schreiben setzen. Diesen folgen sie dann relativ strikt und ändern nicht mehr viel an der Textstruktur.

 

Ihr Vorteil: Sie haben einen roten Faden. Ihr Nachteil: Sie kommen oft sehr spät ins Schreiben und sind dann wenig flexibel für neue Ideen.

Welcher Schreibtyp bist du?

Wir alle können uns, mehr oder weniger, einem Typ zuordnen. Ich bin beispielsweise eine Redakteurin. Aber die Strategien wechseln auch, je nachdem welches Schreibprojekt man vor sich hat. Der Schulaufsatz hat noch von vorne nach hinten funktioniert. Als ich an einem ganzen Buch geschrieben habe, musste die Gliederung auch vorher sitzen. 

 

In welchem Schreibtyp entdeckst du dich wieder? 

 

Wenn du dir nicht sicher bist, kann ich dir helfen, deinen Schreibtyp zu analysieren und auch entsprechende Schreibblockaden zu lösen.

Melde dich gerne bei mir!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0